Vorübergehend kooperativ – Transiently cooperative

Manchmal zeigen scheue oder versteckt lebende Wildtiere ein ungewöhnliches Verhalten. Sie haben gelernt, zwischen gefährlichen und ungefährlichen Situationen zu unterschieden. Dieser Steinmarder liess sich mit Eiern bestechen und toleriert jetzt die Anwesenheit des Menschen, wenn man im Auto sitzt. Vor zwei Tagen hatte er irgendwie besonders Hunger, denn er tauchte schon kurz vor halb Neun Uhr auf, um sich sein tägliches Ei zu holen. So gelang es mir, den Marder aus nächster Nähe zu filmen. Er wusste genau, dass ich im Auto sitze, aber er zeigte sich vorübergehend kooperativ.

Sometimes, shy or reclusive wild animals show abnormal behavior. They learned to distinguish between dangerous and not dangerous situations. By offering eggs this stone marten could be trained to tolerate the presence of humans when sitting in a car. Two days ago, the marten must have been very hungry as it showed up at half past eight in the evening already to catch the daily egg. This way I succeeded to film the marten from a short distance. Despite knowing that I am sitting in the car the marten displayed transiently a cooperative behavior!

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Die unglaubliche Geschichte von meiner Mutter und dem Marder – The unbelievable story of my mother and the marten

Oma Marder

Das ist eine meiner Lieblingsgeschichten, deren Anfang unglaublich lange zurück liegt. Ich war noch jung, hatte gerade mit dem Fotografieren angefangen, und hatte mir fest in den Kopf gesetzt einen Steinmarder zu fotografieren. Weil aber Marder nachtaktiv und sehr scheu sind, arbeitete ich mit einer an Ort und Stelle fest installierten Kamera, kombiniert mit einem selbstgebastelten Blitz. Ich lockte den Marder mit Hühnereinern, seiner Lieblingsspeise, an den Ort, wo ich die Kamera installiert hatte. Meistens war es jedoch meine Mutter, die jeden Tag ein Ei in den Wald brachte und an die Stelle legte, wo wir den Marder anköderten. Auf diese Weise gelang es mir tatsächlich, einige Bilder von einem Steinmarder zu schiessen. Das war im Sommer 1982. So weit so gut, diese Geschichte wäre nichts Besonderes, wenn sie nicht eine Fortsetzung hätte: Meine Mutter hat nämlich, nachdem ich von zuhause ausgezogen war, den Marder weitergefüttert und zwar bis zum heutigen Tag! Mehr als 30 Jahren lang! Unglaublich! Wieso hat sie das gemacht? Hatte sie gehofft, dass ich irgendwann zurückkommen würde um den Marder nochmals zu fotografieren? Nein, sie brachte es einfach nicht übers Herz den Marder zu enttäuschen, wenn er angesprungen kommt um sein tägliches Ei zu holen. Ursprünglich dachte sie, diese Geschichte würde von selbst aufhören, spätestens wenn der Marder stirbt. Aber die Geschichte endete nie. Es müssen Generationen von Steinmardern gewesen sein, die jeden Tag ein Ei bekommen haben. Hochgerechnet mehr als 10‘000 Eier! Und sie machte es sehr gewissenhaft: Wenn sie es nicht selbst erledigen konnte (z.B. aus gesundheitlichen Gründen oder wegen zu hohem Schnee), delegierte sie diesen Job an meine Schwester, die in der Nähe wohnt. In den nächsten Tagen wird meine Mutter 80 Jahre alt! Dieser Eintrag ist meiner Mutter gewidmet, der treuesten Seele und grössten Tierfreundin die ich kenne! Danke Mama!

This one is one of my favorite stories starting in the very early days of my photographer’s career. I was young and obsessed with the idea of taking pictures of a stone marten. Because of its nocturnal activity and shyness, I worked with a locally installed camera combined with a self-made flash. The marten had to be lured by chicken eggs, its favorite food. Mostly, it was my mother who brought the egg to the point in the forest where we accustomed the marten to getting fed every day. This way I really succeeded in taking pictures of the marten. This was in the summer of 1982. So far so good, there would be nothing special with this story without following extension: after I had left home to live my own life, my mother continued feeding the marten until today! For more than 30 years! Unbelievable! Why did she so? Did she expect that I would return for taking pictures, some day? No, she just did not have the heart to disappoint the marten when it comes looking for its daily egg. Originally, she thought the story would come to an end once the marten dies. But the story ended never. There must have been generations of stone marten getting an egg every day. Overall more than 10’000 eggs! And she took it seriously: When she was unable to do it by herself (e.g. due to illness or high snow), she delegated this job to my sister who lives nearby. These days my mother is getting 80 years old! This post is dedicated to her, the most faithful soul and the greatest animal lover I have ever known! Thank you, mom!

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Brüten verkehrt herum – Inverse incubation

Beim Sortieren meiner Urlaubsvideos bin ich stutzig geworden. In der Wüste vor den Toren von Las Vegas hatte ich eine Wildtaube beim Brüten gefilmt. Dort was es aber 114 °F heiss, das sind 47°C. Das ist viel zu heiss für ein Taubenei, das braucht nämlich konstant 38-40°C. Wie kann das funktionieren? Ich bin natürlich nicht der erste Mensch, der sich diese Frage gestellt hat. Amerikanische Biologen haben schon vor 30 Jahren herausgefunden, dass diese Tauben dem Ei durch Draufsitzen Wärme entziehen und ihren Körper durch Hecheln kühlen. Die Taubeneier in der Wüste werden also nicht ausgebrütet, sondern „ausgekühlt“. Die Tauben brüten also verkehrt herum. Faszinierende Natur!

When sorting my holiday videos I got a bit confused about this mourning dove incubating its egg in the desert near Las Vegas. The air temperature was 114°F which is 47°C. That’s surely too hot for a pigeon egg (requiring constantly 38-40°C). How can this work? Of course, I am not the first one raising this question. Three decades ago, American biologists discovered that in desert regions, where eggs can quickly overheat, dove parents rely on transfer of excess heat from egg to adult where it is subsequently dissipated by evaporative cooling (panting). This means „inverse incubation“. Fascinating nature!